Seit drei Monaten wohnt Eva jetzt in ihrer neuen, kleinen Wohnung – vermittelt von mir, versteht sich. Eine echte Oase, wenn man bedenkt, dass sie sich gerade aus einer ziemlich komplizierten Trennung herauskämpft. Die letzten Monate waren für sie alles andere als leicht: emotionales Dauerfeuer, das Leben einmal komplett auf links gedreht – da kann einem schon mal der Kopf rauchen. Aber: sie hält sich tapfer.
Was allerdings noch immer im alten Leben festhängt, ist ihre Goldschmiedewerkstatt. Die liegt nämlich immer noch im gemeinsamen Haus – direkt neben dem Büro ihres Noch-Ehemannes. Eine Situation mit ganz viel schlechten Vibes und „Hoffentlich begegnen wir uns nicht auf dem Flur“. Höchste Zeit also für einen Tapetenwechsel – und da komme ich wieder ins Spiel.
Ich organisiere Eva einen freien Büroraum – winzig zwar, eher ein charmantes Kabuff als ein Atelier, aber besser wie nix. Und direkt zwischen meinem Büro und dem ihrer neuen Vermieterin, die praktischerweise auch eine Freundin ist. Man kennt sich eben.
Einige Freunde und ich helfen ihr beim Umzug ihrer Werkstatt. Was Eva alles an angesammeltem Sachen und alten Akten mitnimmt, das reinste Chaos. Aber gemeinsam bekomme wir das gewuppt und wieder ist ein Problem gelöst.

Und weil Eva und ich uns schon immer gut verstanden haben, helfe ich ihr nicht nur mit Quadratmetern, sondern auch mit Herz, Hirn und einem offenen Ohr. Gerade in dieser Phase, in der sie emotional einiges durchmacht – ihre Mediationen gehen ihr ziemlich an die Substanz – ist sie oft am Limit. Wir reden viel, ich bringe sie zum Lachen und über den Wahnsinn hinweg wächst unsere Bürogemeinschaft zusammen. Die Freundschaft wird fester, der Alltag leichter. Und wenn aus ihrer Werkstatt das mittlerweile vertraute Hämmern kommt, weiß ich: Sie ist angekommen. Fast.

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