Nun fuhren wir also Anfang August in den lang ersehnten Urlaub nach Nordfriesland. Nach einem Umweg über das Münsterland und zwei Übernachtungen unterwegs kamen wir auf Eiderstedt an.
Es war ein wunderschöner Morgen. Wir standen mit Lothars Camper auf einem netten kleinen Parkplatz in der Nähe des bekannten Westerhever Leuchtturms, direkt hinterm Deich, und Lothar hatte sein Schlüsselerlebnis: Ein jüngerer Schweizer, den er auf dem Deich traf, hat ihn mit den Worten begrüßt: „Isch das nöd schön hie“, und deutete auf die Weite des Watts und des Meeres. Ich glaube, das war der Moment, als Lothar hier ankam, Eiderstedt ihn sozusagen eingefangen hat. Vielen lieben Dank an den Herrn aus der Schweiz, ich verdanke ihm viel 😉.

Eigentlich wollten wir heute einen schönen, gemütlichen Tag machen, vielleicht nach St. Peter-Ording fahren und den Strand genießen.
Aber dann kam alles anders als geplant. Kurz nach diesem denkwürdigen Moment, Lothar war grade wieder vom Deich zurück, kam der Anruf von der Lebensgefährtin meines Vaters. Sie hatte ihn besuchen wollen, aber er war nicht daheim, und alles was sie gefunden hatte, waren zwei Abschiedsbriefe. Für mich ist in dem Moment meine Welt ein Stück weit zusammengebrochen, denn ich wusste, dass er umsetzten würde, was auch immer er geplant hatte.
Und so war es auch. Ich habe meinen Vater nie mehr wieder gesehen – er hat sich noch an dem selben Morgen umgebracht.

Und wenn sie sich dann weiterdreht, ist nichts mehr wie es war.“ (Unbekannter Verfasser)
Also haben wir unseren kaum begonnenen Urlaub abgebrochen und sind am nächsten Tag wieder heimgefahren. Aber nicht, ohne morgens noch das Grundstück anzuschauen und festzustellen: Es ist perfekt für uns!
Und es war klar: Wenn alles, was jetzt auf mich bzw. uns zukam hinter uns liegt, fahren wir nochmal hoch nach Nordfriesland. Der eigentliche Grund für den Urlaub dort war ja gewesen, dass Lothar sich alles anschauen wollte, ob er es in dem flachen Land überhaupt aushält.
Vier Wochen später war es soweit, und wir sind wieder losgefahren. Diesmal aber in dem Bewusstsein, dass egal, was wir machen werden, ich es nicht mehr mit meinem Vater würde teilen können.
Ich kann ihn nicht mehr um seine Meinung bitten oder ihn um Rat fragen (ob ich mich dann danach gerichtet hätte steht in den Sternen) und er wird uns nie besuchen kommen. Ich hätte ihm so gerne meine zukünftige Heimat gezeigt! So viele Gespräche wurden nicht geführt, so viele Momente nicht geteilt. Jetzt ist es zu spät.
Also vergesst nie, euren Lieben zu sagen, dass ihr sie liebt, hört ihnen zu, sprecht, lacht und weint miteinander. Verabschiedet euch immer so, als ob es das letzte Mal sein könnte. Zu schnell war es das letzte Mal.

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