Es ist extremes Niedrigwasser, die Fähre wirbelt Sand auf und muss einen Umweg fahren, um die Hallig Hooge zu erreichen. Und wie immer: kaum auf der Fähre, ist der ganze Stress von uns abgefallen und wir konnten schon kurz darauf gemeinsam herzhaft über unser Problem lachen. Die Fahrt bis zu unserer „Kraftinsel“ hat uns wieder „geerdet“.
Auch diesmal spielt das Wetter mit, es ist sonnig, relativ klar und der Wind hält sich noch im erträglichen Rahmen.
Wir starten an der Promenade in Wittdün und laufen einfach geradeaus – Richtung Meer. Was sich einfach anhört, zieht sich: Wer Amrum nicht kennt, mag es kaum glauben, aber bis man wirklich am Wasser ist, legt man an dieser Stelle bei Ebbe mehr als zwei Kilometer zurück!

Und wenn man es dann endlich erreicht hat, steht man streng genommen schon gar nicht mehr auf der Insel. Geologisch betrachtet ist der Kniepsand gar kein ursprünglicher Teil Amrums, sondern eine vorgelagerte Sandbank, die sich durch natürliche Meeresströmungen über viele Jahrzehnte an die Insel angelagert hat.
Bis in die 1960er-Jahre war sie sogar durch einen Priel – den sogenannten „Blies“ – vom Inselkern getrennt. Inzwischen ist der Priel verschwunden, der Sand hat sich festgesetzt, und was früher beweglich war, wirkt heute wie ein fester Bestandteil der Insel. Der Kniepsand gilt als einer der breitesten Strände Europas.

Der Wind spielte mit dem Sand und hinterließ eine Formation von schwebenden Muscheln. An dem weiten und breiten Strand verlieren sich, soweit wir schauen können, keine 10 Menschen. Wie so oft zog uns das Licht in seinen Bann und wir liefen fasziniert weiter den Strand entlang Richtung Norden. Später ging es über die hohen Dünen mit den weiten Sandfeldern, am Wriakhörnsee entlang zurück. Denn leider wartete da eine Fähre. Oder besser gesagt, sie wartet ja eben nicht!
Und da wir in Wittdün noch eine Verabredung im Café Pustekuchen hatten – zwei Stück Torte inklusive – mussten wir uns dann doch ein wenig beeilen. Nicht, dass ihr denkt, wir wären die ständig ans Gewicht denkenden „aber bitte mit Sahne“-Typen. Weit gefehlt! Aber nach oft über zehn Kilometern „Spaziergang“ ist eine Pause in einem unserer drei Lieblingscafés einfach Pflicht. Sagt zumindest Lothars Bandwurm. Der Mann kann futtern, das ist unglaublich – und nimmt dabei nicht zu! Er muss irgendein geheimes Stoffwechsel-Superkraftwerk haben. Und im „Pustekuchen“ ist wirklich alles so lecker, dass keine andere Option infrage kommt.

Ein Tag auf Amrum ist irgendwie immer zu schnell vorbei, aber doch ausreichend um die Sehnsucht wenigstens eine Weile zu stillen.
Anschließend setzten wir unseren „nachgeholten“ Urlaub kreuz und quer durch Nordfriesland fort. Und danach war klar, wir wollen das Grundstück in Tönning kaufen und hier her ziehen, nach Nordfriesland! Wir haben im Urlaub sogar schon einen Besuch bei der Hausbaufirma Talis in Husum gemacht und uns alles angeschaut.
Wie sagte meine Oma immer so schön? „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!„

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