Nachdem wir aus unserem nachgeholten Urlaub zurück waren, ging es – solange nicht gerade etwas anderes organisiert oder geregelt werden musste (und davon gab es wirklich mehr als genug!) – direkt ans planen. Wie soll das Haus aussehen? Wieviel Platz brauchen wir wirklich und wo richten wir den Arbeitsbereich ein? Wie groß darf das Bad werden, und wie schaffen wir es bloß, den Flur so klein wie möglich zu halten (denn wer will schon Quadratmeter für einen Ort verschwenden, an dem man sich eigentlich nur die Schuhe auszieht)? Und vor allem, wie hoch werden die Kosten? Was ist alternativlos und was optional?
Stück für Stück nahm so ein Grundriss Gestalt an. Und wer so etwas schon einmal durchgemacht hat, weiß, wie das läuft: Kaum hat man eine tolle Idee, fällt einem ein Fehler auf. Kaum ist der behoben, springt schon die nächste Idee ins Auge. Und ehe man sich versieht, plant man nicht nur ein Haus, sondern auch ein kleines Abenteuer für die eigenen Nerven . . .
Das jetzt weiter zu erzählen würde euch sicher langweilen. Daher hier eine weitere Geschichte von Amrum:
Amrumer Geschichten: Eine Führung im Seezeichenhafen

Es war bei unserem Familienurlaub auf Amrum – es müsste 2017 gewesen sein. Auf meinen (Evas) Wunsch hin haben wir an einer Führung im Seezeichenhafen bei Wolfgang Stöck teilgenommen. Ich kannte ihn schon von früher und erinnerte mich gut daran, wie unterhaltsam und kurzweilig seine Erklärungen waren. Also habe ich meine Familie dazu verdonnert, mit mir ein wenig auf Kultur zu machen. Die Jungs waren 11 und 14, und ihr Gesichtsausdruck sagte eindeutig: „Muss das sein? Langweilig!!!“ Überraschenderweise war es ein voller Erfolg – wir haben alle mit Begeisterung zugehört, haben viel Neues erfahren und hatten einen riesen Spaß.
Es gab Informationen zu dem Aufbau der Seezeichen und der Logik dahinter. Warum gerade Amrum als Lagerort für die Seezeichen? Wie wird einem drohenden Hochwasser hier begegnet? Dies und viele weitere Fragen wurden beantwortet. Zum Beispiel die Fahrwasser-Markierung. Das ist die häufigste Kategorie im Wattenmeer. Hier wird der Verlauf eines Fahrwassers mit roten und grünen Tonnen oder Pricken angezeigt.
- Grüne Seezeichen (z. B. Tonnen oder Pricken) stehen an der Steuerbordseite (rechts) des Fahrwassers (wenn du in Richtung Quelle flussaufwärts oder landwärts fährst). Merksatz: “Grün ist Rechts auf der Fahrt nach Hause (landwärts).”
- Rote Seezeichen sind links, an der Backbordseite des Fahrwassers. Merksatz: “Rot ist links beim Heimkommen.”

Statt Tonnen sieht man im Wattenmeer häufig Pricken, das sind in den Boden gesteckte Stangen mit „Besen“ obendrauf.
- Grüne Pricke (Steuerbord): Der Reisig zeigt nach oben oder gar nicht sichtbar, wie bei einem Hexenbesen.
- Rote Pricke (Backbord): Der Reisig ist nach unten gebunden, das sieht dann aus wie bei einem Tannenbaum.
Das ist typisch norddeutsch – und wird regional auch etwas verschieden interpretiert. Pricken zeigen oft temporäre Fahrwasser oder kleinere Nebenrinnen.
Für euch Landratten hier noch die Erklärung von Steuerbord und Backbord. Diese Begriffe beschreiben die Seiten eines Schiffes – immer in Fahrtrichtung gesehen (also nach vorn zum Bug blickend):
- Früher wurde das Ruder auf kleinen Booten meist rechts angebracht – da die Steuermänner meistens Rechtshänder waren. Diese Seite nannte man Steuerbord.
- Die linke Seite war dann die „Rückenseite“ des Steuermanns – also Backbord („Back“ = Rücken).
Zur Demonstration der Farben der Seezeichen holte sich der Hafenmeister gerne zwei Gäste aus der Gruppe- vorzugsweise in grün bzw. rot gekleidet, nach vorne. Julian hatte an dem Tag ein grasgrünes T-Shirt an, und so musst er als grüne Boje herhalten. Ich glaube, er hatte richtig Spaß daran…

Die Zeit verging wie im Flug, und dank der genialen Idee unseres Führers, seine Gäste mit Klapphockern auszustatten, hatten wir uns auch nicht die Füße in den Bauch gestanden- sehr angenehm!!!!!
Leider ging der Hafenmeister letztes Jahr (2024) in Ruhestand, ich weiß gerade nicht, ob er die Führungen noch macht. Aber ich werde es in Erfahrung bringen. Es würde sehr fehlen!
Update aus dem Juli 2025 aufgrund eines Leserhinweises: Herr Stöck macht die Führungen noch. Zitat: “Es war genial, ich war total begeistert.“

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