Inzwischen ist es gut ein Jahr her, dass wir im Friesencafé saßen und diesen folgenschweren Entschluss gefasst haben: Wir ziehen nach Amrum! Und was hat sich seitdem alles getan!
Wir haben geträumt, gesucht, verworfen, gefunden – kurz: eine kleine Achterbahnfahrt hingelegt. Nach nicht mal vier Monaten mussten wir den Traum vom Dauerwohnsitz auf unserer Lieblingsinsel begraben. Stattdessen haben wir uns in ein Grundstück in Tönning verliebt (ja, wir sind begeisterungsfähig) und haben es Anfang Februar gekauft. Unser Haus, das dort entstehen soll, ist inzwischen in den Endzügen der Planung.
Ende des Jahres soll der Umzug steigen. Oder auch Anfang nächsten Jahres. Aber bitte, bitte nicht noch später – sofern das Schicksal und der gute Mann im Bauamt Husum nicht noch Lust verspüren, uns auf die Probe zu stellen. Nun heißt es warten – Geduld ist eine Tugend (die ich besser beherrsche als Eva).

Und Amrum? Von einem dauerhaften Inselleben haben wir uns – wie ihr wisst – verabschiedet. Aber ganz ohne Amrum? Keine Chance! Vielleicht reicht unser Budget am Ende ja noch für eine kleine Ferienwohnung. Denn wir werden Amrum in Zukunft noch viel häufiger und regelmäßiger besuchen! Schließlich haben wir uns längst anstecken lassen – von diesem Öömrang-Gefühl, das einen nicht mehr losläßt. Das werdet ihr sicher verstehen, wenn ihr all unsere bisherigen Beiträge gelesen habt. Daher hier schon wieder etwas Backgroundwissen über Amrum:
Aus unseren Amrum Top Ten: Das Café Schult
Unser Lieblingscafe Nr. 1 liegt gleich neben dem Hotel Hüttmann, rechts vom namenlosen „Dorfplatz“ in Norddorf, der sogenannten Hüttmannwiese. Im März 2024, bei Lothars erstem Amrum Aufenthalt, wohnten wir quasi ums Eck. Schon die Brötchen die wir morgens zum Frühstück holten, waren ausgezeichnet. Seitdem waren wir jedesmal, wenn wir zusammen auf Amrum waren, im Café Schult. Denn hier ist die Auswahl riesig und alles ist sehr, sehr lecker und absolut empfehlenswert!
Zudem waren die Bedienungen bisher immer ausgesprochen freundlich. Das ist bei den vielen Saisonkräften auf der Insel nicht selbstverständlich. In der Hochsaison ist das Café allerdings auch überlaufen, was aber wohl auch dem guten Ruf zuzuschreiben ist.

Die Bäckerei / das Cafe Schult besteht laut eigenen Angaben schon seit dem Jahr 1880 – das ist aus alten Kirchen – und Grundbüchern bekannt – und befindet sich inzwischen in fünfter Generationen im Familienbesitz. Bereits 1890 stellte der damalige Amtmann von Tondern (deutscher Name der dänischen Stadt Tønder, damals mit Amrum zusammen Preußisch) eine Ausschankgenehmigung für Alkohol aus. Das war dann wohl die Geburtsstunde des ersten unsere drei Tortenparadiese auf Amrum.
Denn hier gibt es eine überwältigende Auswahl an Kuchen und Torten: Neben diversen „gewöhnlichen“ Kuchensorten etwa den typischen norddeutschen Butterkuchen – im Café Schult aber gleich in mehreren Varianten. Dazu massig(e) Torten: u.a. Buchweizen-Sanddorn-Sahne-, Karamell-Sahne-, Nuss-Marzipan-Sahne-, div. Frucht-Joghurt-Sahne-, Lavendel-Joghurt-Sahne- und sogar eine Caipirinha-Sahne-Torte!

Eine Spezialität – und Kalorienbombe – ist die Friesentorte, eine mächtige, schichtweise gebaute Köstlichkeit, die es längst zu überregionalem Ruhm gebracht hat. Sie besteht aus 2 Blätterteigböden (unten und oben), frischem Pflaumenmus und viel Sahne. Diese „Pflaumentorte“ hat mal ein Bäckergeselle der Bäckerei Schult für seine Tante gebacken. Die Mutter des derzeitigen Inhabers fand die so köstlich, das sie sagte: „Die nennen wir ab jetzt Friesentorte!“ Entstanden ist sie zwar nicht direkt auf Amrum, aber der Name dürfte im Café Schult geboren worden sein – wenn Herr Schult sich richtig erinnert.
Hier könnt Ihr den Inhaber Carsten Schult selbst hören und ihm beim Herstellen zuschauen: https://youtu.be/0DHKFLoueRI
Obwohl das Rezept in ähnlicher Form auch anderswo hätte entstehen können, ist es gerade in Nordfriesland zur Spezialität geworden. Vielleicht liegt es daran, dass sie perfekt zum friesischen Charakter passt: ein bisschen spröde außen, herzhaft und herzlich innen, dazu etwas kräftiger gebaut, damit sie auch einem steifen Nordwest-Wind standhält. Man isst sie nicht, man arbeitet sich durch sie durch! Manche behaupten sogar, sie sei die einzige Torte, die einen Strandspaziergang offiziell zur Pflichtveranstaltung macht.

Uns schmecken natürlich auch die anderen leckeren Torten. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis wir uns durchprobiert haben und unseren persönlich Tortenfavorit küren können. Das Café Schult hat sicher seinen Teil zu meiner Amrum-Liebe beigetragen. Schon meine Mutter sagte damals, als ich mir zum Ende der Schulzeit überlegte, etwas anderes als Koch zu lernen: „Dann werde doch Bäcker – du isst ja eh jeden Tag Kuchen!“. Da konnte ich als gelernter Bäcker gar nicht anders, als mich in die Insel zu verlieben! Bei dem Angebot!

Kommentar verfassen