Es ist März, und ich sitze – nein, dieses Jahr nicht auf Amrum, sondern auf meinem Balkon. Der Frühling ist da, und die Sonne strahlt vom Himmel, nur um eine Kleinigkeit vom Saharastaub getrübt. Es ist die zweite Märzwoche, und es wäre die perfekte Woche für Amrum gewesen, mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen. Eigentlich wollte ich in dieser Woche immer dort sein, auf meiner Kraftinsel, aber irgendwie hat es dieses Jahr vom Timing her nicht gepasst. Wir waren ja erst im Februar im Norden gewesen. Und so sitze ich hier in Böblingen und sehne mich nach dem Kniepsand, der Nordodde, dem Meer und dem Wind. Mir fehlt die Insel, und ich hoffe, dass ich es dieses Jahr doch einmal hin schaffe. Bis dahin träume ich weiter von dem Strand, den Dünen, langen Spaziergängen und natürlich den leckeren Torten dort. Vielleicht hätte ich heute wieder eine Wattwanderung gemacht, wer weiß?
Wahrscheinlich könnt ihr, die ihr noch nie eine Wattwanderung (mit Dark Blome) gemacht habt, nicht ganz nachvollziehen warum ich die so liebe. Daher ist dies ein guter Zeitpunkt für eine weitere unserer Amrumer Geschichten:
Amrumer Geschichten, Teil 3 und Amrum Top Ten: Wattwanderungen (mit Dark Blome)

Wann immer es sich einrichten lässt, gehe ich auf Amrum mit Dark Blome ins Watt – meinem Lieblingswattführer (und wahrscheinlich auch dem vieler anderer, denn „Wiederholungstäter“ gibt’s einige).
Das Angebot ist groß: Wattwanderungen von Amrum nach Föhr, von Föhr nach Amrum, tagsüber, im Sommer, im Winter, bei Sonnenaufgang, bei Regen und bei strahlender Sonne, ich habe alles schon mitgemacht. Nur die Sonnenuntergangstour, die fehlt mir noch.
Jede Wanderung ist ein wenig anders, auch wenn der Weg doch eigentlich immer fast der Gleiche ist. Eine der ersten Wanderungen war auch 2017, mit meiner Familie damals. Die Strecke hat es doch in sich: 10 km von Anfang bis zum Ende, das ist nicht so ohne. Aber selbst unser 10-jähriger Julian ist tapfer mitgegangen, und ich glaube, beide Jungs erinnern sich noch immer gerne daran. Seither habe ich fast jedes Mal eine Wanderung mitgemacht.

Am herausfordernsten sind dabei die Winter-Wattwanderungen. Da geht es mit einer Wathose, also einer Anglerhose mit integrierten Gummistiefeln, ins Watt. Schließlich muss bei Amrum der große Priel durchquert werden. Je nach Wind und Wetter ist das mehr oder weniger einfach. Mir ging das Wasser bei so einer Wanderung schon bis fast an die brusthohe Oberkante von meiner Hose, in einem anderen Jahr gerade mal knapp über den Hintern. Es geht sich nicht so sehr entspannt mit diesen Hosen, sie sind schwer und sperrig. Letztes Jahr habe ich auch herausgefunden, warum ich persönlich mir damit so schwer tue, ich bin ja doch nicht ganz untrainiert: die Hosen werden nach der Schuhgröße sortiert. Jetzt habe ich, bei einer Körpergröße von 1,68 m Schuhgröße 37. Das heißt, ich lebe auf ziemlich kleinem Fuß.
Entsprechend kurz sind auch die Beine dieser Wathosen, was bedeutet, dass der Schritt tiefer hängt und ich deutlich kleinere Schritte machen muss, als gewohnt. Das strengt an, sage ich euch! Solltet ihr also im Winter an so einer Wattwanderung teilnehmen, achtet darauf, dass die Hosenbeine lang genug sind für euch. Zieht lieber ein zweites Paar dicke Socken an, als mit zu kurzer Hose zu wandern! Einmal bin ich sogar, nachdem wir durch den Priel durch waren, barfuß weiter gelaufen – bei 10* Celsius! Allerdings auch nur nach einer meiner berühmt-berüchtigten Pippipausen. Denn schält ihr euch mal aus so einer Wathose raus – und dann wieder rein! Das ist eine echte Aufgabe. Da gehe ich doch lieber barfuß durchs Watt!
Anfangs war es ein bissle kalt an den Füßen, aber durch die Bewegung hat sich das schnell gegeben, es war dann schon fast angenehm. Außerdem ist unterwegs auch für Unterhaltung und somit Ablenkung gesorgt:
Dark Blome ist ein wahres Füllhorn an Geschichten. Ob es um kulinarisch versierte Französinnen geht, oder um die Geschlechtsumwandlung der Pantoffelschnecken, die weltweite Verteilung der Gezeiten oder die „angeblich“ strandräuberischen Aktivitäten der Amrumer, er hat zu allem eine Geschichte auf Lager. Und die gibt er mitreißend zum Besten. Seine Begeisterung für seine Insel und das Meer ist ansteckend, und obwohl ich manche seiner Geschichten schon ein-/ zweimal gehört habe, höre ich ihm immer wieder gerne zu.

Es wird aber immer schwieriger, den Priel sicher zu überqueren! Wir trafen Dark erst letztens und er erzählte, dass er dieses Jahr schon einige Wanderungen absagen musste. Der Süd- und Süd-Ostwind drückt das Wasser in die Enge zwischen Amrum und Föhr. Dadurch steigt der Wasserstand im Priel oft bis über die normale Fluthöhe. Bei Ebbe! Und dann verändert sich auch der Meeresboden. Eine Sandbank wird langsam abgetragen, woanders entsteht eine neue oder der Priel wird von der größeren Menge an abfließendem Wasser etwas tiefer. Wenn sich dieser „Trend“ fortsetzt, nimmt ihm das dann so langsam seine Existenzgrundlage.
Also beeilt euch, falls ihr überlegt, irgendwann auch mal (wieder) eine Wattwanderung mit zu machen.

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