Aus unseren Amrum-Top-Ten: Der Kniepsand

By

„Das“ Highlight der Insel Amrum ist natürlich dieser endlose, weite Strand! Auf Amrums Westseite ist der, Kniepsand genannte Strand, alles zusammen ca. 15 km lang und einer der breitesten Sandstrände Europas. Er ist bei Wittdün im Süden der Insel 1,5 bis über 2 km breit und hat eine Fläche von rund 10 km². Der Name geht übrigens auf das einheimische Öömrang-Wort Kniap für „Kneifen“ zurück, da (eine Theorie) der feine Sand die frühen (ersten) Badegäste beim Gehen kniff.

Blick vom Kniepsand zurück: links Wittdün, rechts der Kniephaken

Der Kniepsand war ursprünglich eine vom Meer getrennte Sandbank („Hochsand“), wurde aber im Laufe der Jahrhunderte immer mehr an die Insel angeschlossen. Frühere Karten zeigen ihn noch westlich der Insel, vom Meer getrennt. Erst durch Sturmfluten und stetige Sedimentwanderung ist er allmählich an die Dünenkette herangewachsen. Amrum hatte bis zum Jahr 1938 sogar noch einen Hafen an der Westseite, der dann aber so versandete, das er aufgegeben wurde. Der Sandkörper wandert langsam ostwärts und verändert seine Form ständig. Diese Dynamik sorgt dafür, dass der Strand an manchen Stellen wächst, an anderen aber auch wieder verschwindet. Alte Amrumer sagen gern, „der Kniepsand lebt“ – und das trifft geologisch tatsächlich zu. Der Kniepsand fungiert als natürliche Nehrung (Sandablagerung) und wächst durch Sandtransport vom Meer – z.B. von Sylt her. Er gehört zum Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Küsten- und Dünenlandschaft Amrums“.

Der Kniepsand ist also eine der dynamischsten Landschaften Norddeutschlands – ein Ort, der sich ständig verändert, aber gleichzeitig eine schützende und lebensspendende Rolle für die Insel Amrum spielt. Er ist Strand, Bollwerk, Lebensraum und Naturwunder zugleich.

Durch den Wind gestaltete Strandformation auf dem Kniepsand

Und genau das ist es, was wohl alle Amrum-Fans, Einwohner und Urlauber gleichermaßen fasziniert! Und uns natürlich auch! Die unendliche Weite, Natur pur und dazu die Einsamkeit! Denn von Wittdün bis zum Wasser laufen die wenigsten bei Ebbe diese mindestens 2 Kilometer raus! Außerdem wird der Kniepsand bei den schönsten Stränden an der Nordsee oft nicht erwähnt – meist nur Sylt und St-Peter-Ording. Daher können wir ihn getrost noch als Geheimtipp nennen. Dabei steht der Kniepsand dem Strand von SPO in nichts nach, ganz im Gegenteil. Der Kniepsand ist im Gegensatz zum Strand vom St-Peter-Ording immer noch kostenlos zu begehen, es gibt dort keine Kassenhäuschen wie in SPO. Für uns ein unschlagbarer Pluspunkt!! Ok, um es ganz genau zu sagen: auch auf Amrum sollte oder muss man auch als Tagesgast eine Kurtaxe bezahlen.

Westlich des Kniepsands, also zwischen Amrum und der offenen Nordsee, liegen mehrere flache Sandbänke, die regelmäßig bei Ebbe trockenfallen. Diese Seehundbänke gehören zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Hier rasten Kegelrobben und bringen sogar ihr Jungen zur Welt. Die Seehundbänke dürfen aber nicht betreten werden, um die Tiere nicht zu stören. Beobachtet werden können sie aber gut von Booten aus – etwa bei Fahrten ab Wittdün oder Norddorf („Seehundbänke-Exkursion“). Die Kegelrobben bringen ihre Jungen vor allem im Dezember und Januar an hochwassersicheren Plätzen zur Welt. Da die Sandbänke vor Amrum oft durch Hochwasser bedroht sind, weichen einige Robben auf die Insel aus. Insbesondere an der Nordodde und auf dem Kniepsand wurden schon Geburten beobachtet.

Der Wind weht über den Kniepsand vor der Dünenkette

Auf der anderen Seite, östlich des Kniepsands, beginnt die Dünenkette von Amrum, eine der größten geschlossenen Dünenlandschaften Europas.
Sie ist entstanden, als der Wind über Jahrhunderte Sand vom Kniepsand landeinwärts verfrachtete und in Hügeln ablagerte. Diese Dünen sind lebende Barrieren gegen Wind und Sturmfluten. Sie schützen die Siedlungen auf Amrum und bilden gleichzeitig ein empfindliches Ökosystem mit seltener Flora und Fauna. Hier wachsen Strandhafer, Krähenbeere, Heidesträucher, Sand-Segge und Silbergras. Der Strandhafer ist übrigens die Pionierpflanze, welche als erstes den Strand erobert. Dadurch kann sich der vom Winde verwehte Sand an die Pflanze anlagern, ihre Wurzeln verhindern zudem das verwehen und ganz langsam entstehen so dann neue Minidünen! Hier sind alle Stadien der Dünenbildung zu beobachten. Interessant sind auch die unterschiedlichen Formen der Vordünen am Kniepsand.

Weit ab vor den Dünen erobert der Strandhafer den Kniepsand

Wenn wir auf Amrum sind und Zeit haben, laufen wir sehr gern den Strand ab Norddorf hinauf zur Nordodde. Hier ist der Strand immer noch breit und lang, aber die wenigsten Menschen nehmen dieses Stück Weg in Kauf. Das heißt, hier ist man oft alleine unterwegs. Von der Nordspitze hat man eine gute Sicht nach Sylt rüber. Hier geht der Weg über die nördlichste Düne auf die Ostseite hinüber. Die Amrumer Odde (Öömrang: Ood deutsch: „Spitze“) ist der nördlichste Teil der Insel Amrum und darf nicht betreten werden, da dies ein Naturreservat ist.

Der „letzte“ Strandkorb von Norddorf auf dem Weg zur Nordodde. Im Hintergrund Sylt.

Zurück gehen wir dann von der Nordodde aus auf der Ostseite Amrums, mit Blick zur Insel Föhr. Den ganzen Kniepsand am Stück sind wir noch nie abgelaufen. Dazu ist die Strecke einfach zu weit und das Laufen im Sand zu beschwerlich. Aber egal, wie weit wir gehen, es ist immer wieder eine Zeit der Ruhe und Erholung für uns, von der wir neu geerdet zurück kommen.

Posted In , ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Amrum - unser Traum

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen