Es ist kalt: -6 °C, bei Ostwind gefühlt eher -12. Und wir haben Ostwind! Es schneit, taut, gefriert wieder. Die Abendsonne versinkt über weißen Feldern, nachts taut alles weg, und morgens schaut uns wieder grünes Gras an. Bis am nächsten Tag der nächste Schneeschauer vorbeischaut. Die Kälte bleibt. Selbst für die „Eingeborenen“ ist das hier ein ungewöhnlich harter Winter. Wir kennen das zwar und lieben den Schnee – nur unser Kälteempfinden verhandelt noch. Dafür ist die Luft herrlich klar. Der weite Blick über vereiste Fennen, in denen Gänseschwärme landen; das oft magische Licht, der Morgennebel und die spektakulären Abendhimmel – all das hat seinen ganz eigenen Reiz. Wir genießen es und sehen diese Landschaft immer noch mit besonderen Augen.

Auch der Bauernhof, auf dem wir untergekommen sind, hat seinen ganz eigenen Reiz. Hinter dem Haus blicken wir direkt auf einen Kuhstall mit ein paar Galloways. Im Garten der Familie unter uns wuseln Meerschweinchen – und gelegentlich huscht auch mal eine Ratte vorbei. Die Hühner flanieren frei über den Hof, und sogar ein Fasan hatte schon einen Gastauftritt.
Rechts und links stehen Schafställe; im rechten sind die Lämmer mit ihren Müttern untergebracht – natürlich maximal niedlich! Zumindest solange sie nicht ausbüxen, im Nachbargatter landen und die halbe Nacht ein Solokonzert geben. Da musste ich (Lothar) dann schon mal bei der Familienzusammenführung helfen. Und weil unser Vermieter „unsere“ Schafe regelmäßig austauscht – zum Impfen oder „Frisieren“, um die jüngsten Lämmer nachzuholen und die Älteren mit ihren Müttern auf die Fenne zu bringen –, gibt es hier eigentlich immer etwas zu beobachten – Bauernhof-Streaming, ganz ohne Abo und besser als jedes Nachmittagsprogramm im TV.

Wir fühlen uns sehr wohl hier und genießen auch die Nähe zueinander. In den letzten zwei Jahren waren wir ohnehin meist recht „eng“ beieinander – das hat sich noch nicht abgeschliffen und darf gern noch lange so bleiben.
Selbst die Wohnung, die uns anfangs einiges abverlangt hat, ist inzwischen gemütlich geworden. Zumindest solange die Heizung nicht versagt – was natürlich auch schon vorkam. Wir haben unsere Arbeitsplätze eingerichtet, Internetverbindung inklusive, und können Arbeiten und Kochen gut miteinander verbinden.

Ansonsten sind wir etwa zweimal pro Woche auf der Baustelle und kämpfen uns durch die wichtigen Themen: Dunstabzugsmöglichkeiten, Steckdosen- und Brennstellenplätze, Fliesenfragen, Duschabtrennungsvariationen. Und dann übt Eva sich noch in der hohen Kunst der Küchenfeinplanung. Langweilig wird uns nicht – eher im Gegenteil. Und euch so?
PS: Eine „Fenne“ ist ein norddeutscher, vor allem friesischer Begriff für ein niedrig gelegenes, oft von Gräben umgebenes Weideland oder sumpfiges Grasland, also eine Art Moor- bzw. Marschwiese, die meist als Viehweide genutzt wird.

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