Donnerstag, 21. März 2024 – Amrum

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Kniepsand auf Amrum

Auf dem Tagesplan stand: Nebel. Nein, nicht das Wetter – das Dorf! Denn auf Amrum gibt’s tatsächlich einen Ort, der klingt, als würde man nie genau wissen, ob man ihn gesehen hat. Das Wetter war dabei das genaue Gegenteil seines Namensvetters: strahlender Sonnenschein, nur der Wind meinte es heute etwas übermotiviert gut mit uns – perfekt für eine kleine Wanderung mit „Frischluft-Sturmfrisur“.

Ringelgänse beim Anflug zur Mittagsrast

Statt der gewohnten Dünenroute haben wir uns mal für die Ostseite der Insel entschieden – an den Salzwiesen entlang. Hier rasten grade tausenden Ringelgänse; Graugänse, Kiebitze und Austernfischer sind immer hier und oft in geringer Entfernung (ausser bei Nebel) zu beobachten. In Nebel angekommen, haben wir natürlich auch etwas Kultur gemacht: die Kirche, der sehenswerte Friedhof mit den „sprechenden Grabsteinen“ (hier mehr dazu) und diese typisch nordfriesische Mischung aus Melancholie und Reetdachcharme.

Der Ort Nebel hat seinen Namen tatsächlich nicht vom Wetterphänomen. Der Name stammt von den Worten nei und bel ab, wobei ersteres „neu“ bedeutet und letzteres auf dem altdänischen Begriff boli (Siedlung) beruht, was demnach so viel wie „neuer Siedlungsplatz“ oder „Neuort“ bedeutet. Der Sage nach, die ihr beim Wattführer Dark Blome hören könnt, konnten sich die damals einzigen Orte, Norddorf und Süddorf, nicht über den Standort der neuen Kirche einigen. Daher luden sie einen großen Findling auf einen alten klapprigen Karren und schickten ihn in einem der Orte los. An dem Platz, wo der Karren zusammenbrach, wollten sie die neue Kirche bauen. Und da stand sie dann, allein auf weiter Flur. Der Findling aus der Sage ist in der St. Clemens-Kirche (1236-1240 erbaut) im Eingangsportal zu sehen (sagt man). Das Dorf um die Kirche herum entstand erst Jahrzehnte später. 

Der Stein aus der „Sage“ im Eingangsbereich der St.-Clemens-Kirche

Anschließend brauchten wir zur Stärkung – Kultur macht scheinbar hungrig – dringend Kaffee. Und Kuchen. (Der Kuchen war übrigens nicht optional.) 

Inselcafe im OT Nebel
Das Friesencafé im Ortsteil Nebel auf Amrum

Und genau da, im Friesencafé, zwischen Sahnetorte und milchschaumiger Erkenntnis, hat es Lothar erwischt: die Amrum-Liebe. Fünf Tage haben gereicht. Zack, infiziert. Diagnose: Inselvirus, unheilbar. Und so saßen wir da, leicht zuckerbeseelt, und beschlossen kurzerhand: Das war’s mit dem alten Leben. Wir fangen neu an – hier. Auf dieser kleinen, windumtosten, völlig wunderbaren Insel. 

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