Noch vor wenigen Stunden waren wir über Fronleichnam mit unseren Volleyballern unterwegs – ein wunderbares Wanderwochenende voller guter Gespräche, frischer Luft und Kameradschaft. Doch nun fühlen wir uns, als wären wir im falschen Film gelandet. Zuhause angekommen erwartet uns nämlich der ganz andere Alltag. Wir finden im Briefkasten einen dicken Umschlag vom Bauamt Husum.
Einen Moment lang blitzte in mir die Hoffnung auf: Ist das vielleicht die lang ersehnte Genehmigung? Viel zu schön, um wahr zu sein – das wäre ja wirklich rekordverdächtig schnell gegangen. Stattdessen: Eine Liste mit fehlenden Unterlagen rund um unser Wohn- und Arbeitshaus. „Errichtung einer Goldschmiedewerkstatt“ steht da. Das klingt in Behörden-Deutsch so, als wollten wir ein großes Firmengebäude mit unzähligen Mitarbeitern errichten. Dabei wünschen wir uns doch nur einen kleinen Anbau mit einem Büro für unser Homeoffice und einen kleinen Werkraum für mich.
Ich sehe schon so langsam schwarz für unser Projekt. Lothar kämpft sich nun heldenhaft durch Paragrafen, um eine Begründung zu basteln, die selbst das Bauamt sprachlos macht – im besten Sinne.
Und ich frage mich wieder einmal: Warum muss immer etwas dazwischenkommen? Kaum denkt man, jetzt läuft’s endlich rund, stolpert man über den nächsten Behörden-Knüppel.
Aber wir bleiben dran, mit Geduld, Beharrlichkeit und einem ordentlichen Schuss Humor – denn manchmal helfen eben auch die besten Argumente nichts, und man muss sich einfach durchbeißen.

Und so warten wir weiter auf die Baugenehmigung aus Husum.
Hier in Baden-Württemberg darf – seit einer Reform der Landesbauordnung diesen Jahres – mit dem Bau angefangen werden, wenn die Baugenehmigung nach drei Monaten noch nicht abgelehnt wurde. Das gilt aber nur hier, im restlichen Deutschland gibt es das so nicht. Das heißt, wir müssen wirklich auf das endgültige OK des Bauamtes warten. Wenigstens ist es ein vereinfachtes Verfahren. Auf unserem Grundstück war ja bereits ein ähnliches Holzhaus vom selben Hersteller genehmigt. Die Baugenehmigung lief erst im März aus – das war ja neben dem Traumgrundstück ein weiterer Glücksfall für uns! Deshalb sollte es nicht so lange dauern … sollte. Aber nun, ein paar Wochen später, mussten wir erneut etwas nachreichen: Daten über die Nachbarhäuser!
Es ging um die Firsthöhen der Häuser ringsherum. Also über einen Architekten einen Vermesser beauftragen, der die Höhen ausmisst. Wieder 1500 € für einen bürokratischen Regelungsfuror zusätzlich ausgegeben. Wie wir dann anschließend erfuhren, wurden die Firsthöhen vom letzten Bauherr ebenfalls nachgefordert und dieser hat die Höhen ebenfalls ausgemessen!
Ja glauben die auf dem Bauamt, die Nachbarhäuser wären in den letzten 2 Jahren irgendwie geschrumpft? Das nervt sowas von! Es ist einfach nur frustrierend. Der zuständige Beamte wirkt, also ob ein Bauvorhaben auf unserem Grundstück absolutes Neuland für ihn wäre – was nicht so ganz sein kann, Stichwort abgelaufene Baugenehmigung. Ein echter Meister der Verzögerung! Diese Bürokratie und Paragraphenreiterei kostet Zeit, Nerven und schafft vor allem noch mehr Arbeit. Und selbst die neue Technik hilft nicht wirklich weiter. So eine Bauampel, die anscheinend nur Rot kennt, ist eher Spielerei als Unterstützung.
Ich habe jedenfalls beschlossen, die erste Partei die wirklich für konsequenten Bürokratieabbau eintritt, bekommt meine Stimme. Bringt uns aber alles nicht weiter und Eva ist trotzdem zum Weinen.

Immerhin planen wir weiter. Die Küche (wo uns nun auch unser Küchenbastler des Vertrauens abgesagt hat), die Bäder (könnten das Doppelte vom veranschlagten Budget kosten – wenn wir wollten), Fliesen und Böden, Wandfarben und und und. Wer schon mal gebaut hat kennt das ja. Zum Glück sind wir uns bei vielem schnell einig, es macht sogar Spaß gemeinsam etwas zu entwerfen – und weiter zu träumen. Irgendwo ist ja immer Licht am Ende des Tunnels. Und auch wir zwei planen privat etwas weiter. Zum Beispiel einen Kurzurlaub mit ein paar Verwandten auf Amrum. Da freuen wir uns schon richtig drauf. Diese unsere (un)beschreibbare Trauminsel wird uns wieder etwas runter holen und beruhigen.
Doch davon erzählen wir euch in einem der nächsten Beiträge, einer Mischung aus Lebensplanung und Inselbeschreibung. Und den 360 Grad, die einen geschlossenen Kreis, inklusive einem Anfang und einem Ende, ergeben.


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